Hier finden Sie die Antworten des urologischen Expertenrats Prostata auf die Fragen von Betroffenen zu Prostatakrebs (anonymisiert). Jetzt informieren.

Hormone nach Prostataektomie (30.11.2016)

Frage:

Sehr geehrte Damen und Herren, ich hatte eine Prostataektomie, da der PSA Wert allerdings nach etwa zwei Jahren wieder anstieg ,erhielt ich eine Bestrahlung an den Schnittstellen. Nun sank der PSA Wert. Seit diesem Jahr steigt er allerdings wieder an. Von anfang des Jahres 0,2 im August auf 0,48 und im November auf 1,02 ng/ml. Am Montag habe ich eine PSMA-PET-CT-Untersuchung ,sollte da nichts gefunden werden empfielt mir mein Urolge eine Hormontherapie. Nun bin ich einer der Männer die Nervenschonend operiert wurden, in wie weit würde sich eine Hormontherapie auf mein Sexualleben aus wirken? Ich bin übrigens erst ** Jahre alt. Mich würde sehr gern Ihre Meinung dazu wissen. Vielen Dank

Antwort:

Sehr geehrter Herr *,

in der von Ihnen geschilderten Krankengeschichte würde ich ihnen auf jeden Fall, auch wenn im PET-CT Herde gefunden und behandelt werden, zu einer Hormonentzugsbehandlung raten.

Leider führt die Hormonentzugsbehandlung in den allermeisten Fällen zu Libidoverlust und Erektionstörungen. Dies verläuft in der Regel langsam zunehmen über mehrere Monate. Trotzdem ist eine Erektion mit dem Einsatz von Medikamenten oder mechanischen Hilfsmittel immer möglich.

Effektivere Tumorbehandlung oder erfülltes Sexualleben stehen hier zur Wahl.

Mit freundlichem Gruß

Ihr Dr. Jürgen Linn

Bestrahlung oder Hormontherapie (28.11.2016)

Frage:

Sehr geehrte Herren, im Alter von fast ** Jahren wurde bei mir eine Lymphadenektomie, radikale Prostatektomie ohne Nervenerhalt durchgeführt. Nach Entlassung wurde mir das Ergebnis der Tumorkonferenz mitgeteilt.Eine engmaschige Verlaufskontrolle wurde als angemessen empfohlen Bei einer Nachkontrolle wurde ein erhöhter PSA-Wert von 0,5 festgestellt. Es folgten ein PSMA-PET und ein MRT mit dem Ergebnis, dass sich eine kleine Metastase im 7. Brustwirbel befindet. Angeraten wurde mir eine permanente Hormontherapie. Ich fürchte aber die Nebenwirkungen. Wäre es nicht sinnvoller die Metastase zu bestrahlen und das Ergebnis abzuwarten? Für eine Antwort wäre ich Ihnen sehr dankbar.

Antwort:

Sehr geehrter Herr *,

die Entfernung der Prostata wird unter der Vorstellung durchgeführt, dass sich die Erkrankung auf die Prostata begrenzt ist und sich nicht auf den übrigen Körper ausgebreitet hat. Wenn die Erkrankung nur ein Organ betrifft, dann ist nach der Entfernung dieses Organs auch mit der Heilung der Erkrankung zu rechnen. Eine lokale Erkrankung wird also mit einer lokalen Therapie behandelt.

Anders verhält es sich, wenn eine Tumorerkrankung metastasiert. Dies passiert immer dann, wenn der Tumor in Blut- oder Lymphwege hineinwächst, einzelne Tumorzellen sich vom Tumor lösen und über die Blut- oder die Lymphwege an andere Orte im Körper transportiert werden. Hat sich eine Tumorzelle dann an irgendeiner Stelle im Körper abgesiedelt, beginnt sie mit der Zellteilung und eine Metastase wächst heran. Dieser Vorgang ist in der Regel kein einzelnes Ereignis, sondern man muss davon ausgehen, dass sich mehrere Zellen an unterschiedlichen Orten im Körper absiedeln. Sobald dies geschieht, kann man die Erkrankung nicht mehr als eine lokale, also auf einen umschriebenen Ort des Körpers begrenzte, Erkrankung verstehen, sondern muss von einer generalisierten, also den ganzen Körper betreffenden, Erkrankung ausgehen. Eine generalisierte Erkrankung kann man natürlich auch nicht lokal behandelt, so wie man es durch eine Operation oder eine Bestrahlung tun würde.

Nun werden Sie zu recht einwenden, dass in der PET-Untersuchung nur eine Metastase gefunden wurde. Hierzu muss man wissen, dass auch die PET-Untersuchung nur eine begrenzte Auflösung hat. Erst wenn die Metastase schon aus vielen tausend Tumorzellen besteht, zeigt das PET einen positiven Befund an.

Ich hoffe diese Erklärung macht verständlich, warum man Ihnen mit der Hormontherapie eine generalisierte Therapie vorgeschlagen hat und sich nicht auf eine lokale Therapie verlassen möchte.

Mit freundlichem Gruß
Ihr Dr. Jürgen Linn

Gutartige Prostatavergrößerung, Operationen (06.08.2016)

Frage:

61 Jahre, vor 8 Wochen Greenlight Laser/Enukleation, wohl alles normal verlaufen. Nun stellt sich die Frage nach Wiederaufnahme von Sex, Erektion geht so wie vor > 30 Jahren, sehr empfindlich geworden. Nun traue ich mich "nicht weiter", ich habe also eine Art Angst vor einem Orgasmus, d.h. dass dabei etwas passiert. Vielleicht etwas irrational, aber was mache ich damit?

Antwort:

Lieber Herr *,
nach einer Greenlight Laser OP ist die Prostata häufig über einige Wochen sehr empfindlich. Jedenfalls gut, dass Sie eine normale Erektion haben. Versuchen Sie es einfach einmal mit dem Samenerguss! Schlimmstenfalls haben Sie eine kurze Zeit Schmerzen. Falls das der Fall sein sollte, dann warten Sie einfach nochmals 4 Wochen.
So wie sich das anhört, wird bald alles „so wie vor 30 Jahren“ sein.
Herzliche Grüße

Ihr Dr. Jürgen Linn

Prostatakarzinom, Hormonbehandlung (06.07.2016)

Frage:

Seit der Hormonbehandlung seit 2010 ist eine Raumgewinnung der Tumor in Richtung After festgestellt. Es besteht die Gefahr, dass es zu Darmverstopfung kommen. Ist eine künstliche Darm eine Option. Wie funktioniert diese?

Antwort:

Sie erhalten seit 2010 eine Hormonbehandlung -ich gehe davon aus wegen eines Prostata-Tumors , der trotz dieser Behandlung weiterwächst in Richtung After.
Ausgehend von meiner langjährigen Erfahrung aus der Klinik ist mir kein Fall erinnerlich,
daß wir wegen eines fortschreitenden Prostatatumors eine Darmverlegung zur Umgehung des Afters operativ anlegen mußten.
Die Verstopfungserscheinungen können auch Nebenwirkung der medikamentösen Behandlung sein ,sodaß ich zu einer leichten Kost ohne schwerverdauliche Bestandteile rate im Sinne einer mediterranen Kost mit dem Ziel , täglich Stuhlgang zu haben.
Auch kann es sein, daß der Tumor sich doch weiter ausbreitet ,da er nach über 5 Jahren Hormontherapie hormon-unempfindlich geworden ist und man ggf. eine andere medikamentöse Behandlung anstreben sollte
.All' diese Überlegungen sollten Sie in die Beratung mit Ihrem behandelnden Urologen einbeziehen.

Mit freundlichen Grüßen

Prof.Dr.H.Heynemann
FA f.Urologie