Prostata: Anatomie, Funktion, Sexualhormone und Beschwerden

In der Prostata, auch Vorsteherdrüse genannt, wird beim Mann ein Teil der Samenflüssigkeit produziert. Die Funktion der Prostata wird durch das Hormon Testosteron gesteuert. Durch die Anatomie der Prostata und ihrer Lage direkt unterhalb der Blase, sind Erkrankungen bzw. Beschwerden der Prostata, wie z.B. Prostataschmerzen nur schwer zuzuordnen. Sie können Ausdruck einer Prostataentzündung (Prostatitis) oder einer gutartigen Prostatavergrößerung (benignes Prostatasyndrom (BPS) oder benigne Prostatahyperplasie, BPH) sein, aber auch ein Prostatakarzinom kann sich dahinter verbergen. Beim Auftreten entsprechender Symptome (z.B. häufiges Wasserlassen) sollte deshalb ein Arzt, bzw. ein Facharzt für Urologie (Urologe) aufgesucht werden.

Anatomie der Prostata

Die Prostata (Vorsteherdrüse) gehört zu den inneren Geschlechtsorganen des Mannes, genauso wie Hoden, Nebenhoden, Samenleiter, Samenblasen (Bläschendrüsen) und kleinere Drüsen in der Umgebung der Harnröhre. Dagegen werden Glied (Penis), Hodensack und Harnröhre als äußere männliche Geschlechtsorgane bezeichnet. Normalerweise hat die Prostata etwa die Größe und das Volumen einer Kastanie und wiegt beim gesunden Mann ungefähr 20 Gramm.

Wo liegt die Prostata?

Sie liegt zwischen der Harnblase und dem Beckenboden, der hier den äußeren Schließmuskel der Harnröhre bildet. Hinter ihr befindet sich der Mastdarm, vor ihr der Unterrand des Schambeins, mit dem sie fest verbunden ist (siehe Abb.).

Die Prostata umhüllt den Beginn der Harnröhre und ihr Aufbau besteht aus zahlreichen Drüsen, gefäßreichem Bindegewebe und Muskelfasern, eingehüllt in eine feste, bindegewebige Kapsel. Die Drüsen werden nach ihrer Lage in Außen- und Innendrüsen eingeteilt, ihre Ausführungsgänge münden einzeln in die Harnröhre neben dem Samenhügel. Der Samenleiter und der Ausführungsgang der Samenblase bilden zusammen das Spritzkanälchen, das die Prostata durchzieht und auf dem Samenhügel in die Harnröhre mündet.

Die Blut- und Lymphgefäße der Prostata stehen in enger Verbindung zu denen der Harnblase und des Mastdarms. Die Nervenversorgung der Prostata erfolgt durch Fasern des unwillkürlichen Nervensystems (Sympathikus und Parasympathikus).

Die fünf Zonen der Prostata unterteilen sich wie folgt:

  • Vordere Zone: Dünn, kaum Drüsen, fast nur Bindegewebe und Muskulatur.
  • Umgebung der Harnröhre: Nur wenig Gewebe, vor allem Muskulatur.
  • Übergangszone (Transitionalzone): Kleiner Bereich, besonders vor und seitlich des Anfangsteils der Harnröhre. Er vergrößert sich im Laufe des Lebens, evtl. bis zur gutartigen Prostatavergrößerung (s. Ursachen und Entstehung des BPS), wobei die anderen Bereiche zusammengedrängt werden.
  • Zentrale Zone: Bereiche um die beiden Spritzkanälchen (hinten-oben), fast ein Viertel der Prostata.
  • Periphere Zone: Größter Teil der Prostata (fast 75%; unten und seitlich sowie hinten bis fast oben). Hier entsteht Prostatakrebs am häufigsten (s. Entstehung und Formen des Prostatakarzinoms).

Wie findet man die Prostata?

Weil sich die Prostata unterhalb der Harnblase unmittelbar vor dem Rektum befindet, ist sie für eine Untersuchung vom Rektum aus gut zugänglich. Durch diese Tastuntersuchung (digital rektale Untersuchung, DRU) ist z. B. eine vergrößerte Prostata leicht festzustellen, und auch Tumoren können ab einer gewissen Größe so entdeckt werden. Zusammen mit dem PSA-Wert spielt die Tastuntersuchung deshalb eine wichtige Rolle in der Früherkennung des Prostatakrebses.

Funktion der Prostata

Was macht die Prostata?

Die Prostata ist an der Spermabildung, der Ejakulation und dem Hormonstoffwechsel beteiligt. Die Hauptaufgabe der Prostata ist die Sekretbildung. Sie beginnt erst mit der Pubertät (Geschlechtsreife), wenn die Prostata unter dem Einfluss von männlichen Sexualhormonen, den sog. Androgenen, zu einem funktionstüchtigen Organ heranwächst. Das wichtigste Sexualhormon des Mannes ist das Testosteron, das überwiegend in den Hoden produziert wird und durch die Prostata in seine biologisch aktivste Form, das Dihydrotestosteron (DHT), umgewandelt wird.

Das Prostatasekret ist milchig-trüb, dünnflüssig und leicht sauer. Neben zahlreichen anderen Stoffen enthält es Enzyme (Fermente). Das sind Eiweiße mit wichtigen Aufgaben, wie die saure Prostata-Phosphatase und das PSA (Prostata-spezifisches Antigen), das der Verflüssigung des Ejakulats dient. Ein weiterer Inhaltsstoff ist Spermin; es schützt die DNA (Erbinformation) der Spermien (Samenfäden) und verleiht der Samenflüssigkeit seinen charakteristischen Geruch.

Die Prostata gehört zu den inneren Geschlechtsorganen und unterstützt auf Grund ihrer Lage den Blasenhals und damit den Verschluss der Harnblase. Bei der Miktion (Wasserlassen) verschließt die Muskulatur von Blase und Prostata die Spritzkanälchen und die Ausführungsgänge der Prostatadrüsen, damit kein Urin eindringen kann.

Beim Geschlechtsverkehr, insbesondere beim Samenerguss, aktivieren Nervenimpulse des Sympathikus unwillkürlich verschiedene Muskeln: Durch die Spritzkanälchen pressen die Samenleiter die Spermien und die Samenblasen ihr Sekret in den von der Prostata umschlossenen Teil der Harnröhre. Dorthin wird auch das Prostatasekret gedrückt. Diesen Vorgang nennt man Emission.

Zugleich sorgt die Muskulatur von Prostata und Blasenhals dafür, dass das Sperma, das aus den jetzt miteinander vermischten Flüssigkeiten von Hoden bzw. Nebenhoden, Prostata und Samenblase besteht, nicht in die Harnblase gelangt. Dann wird die männliche Ejakulation (Samenerguss) ausgelöst: Die Beckenbodenmuskeln und die Muskulatur um die inneren Teile der Schwellkörper ziehen sich rhythmisch zusammen und befördern so das Sperma durch die Harnröhre nach außen.

Das Prostatasekret macht 20-30 Prozent der Spermamenge aus. Wie oben beschrieben ist diese Sekretion wichtig für die Funktionstüchtigkeit der Spermien, also für die Zeugungsfähigkeit des Mannes. Mit seiner Fähigkeit zum Geschlechtsverkehr hat es jedoch nichts zu tun.

Sexualhormone

Androgene und auch Östrogene sind die Sexualhormone des Mannes. Das Wissen über männliche Geschlechtshormone, ihre Funktionen im Körper, die Steuerung über Regelkreise und die medikamentöse Beeinflussung sind wichtig für das Verständnis der Entstehung und Behandlung von Prostataerkrankungen.

Was sind Androgene?

Androgene sind männliche Geschlechtshormone, ihr Hauptvertreter ist Testosteron. Sie werden über verschiedene Zwischenschritte aus Cholesterin gebildet, beim Mann hauptsächlich in den Leydig- Zwischenzellen der Hoden, geringe Mengen auch in den Nebennieren (vgl. Abbildung ). Von dort gelangen sie ins Blut und binden sich hier fast vollständig an ein besonderes Eiweiß, das SHBG (Sexualhormon-bindendes Globulin). Dieses transportiert sie zu ihren Zielzellen, z. B. in den Geschlechtsorganen, aber auch zur Leber, wo sie rasch abgebaut werden (Halbwertszeit nur 10 Minuten). Die Abbauprodukte erreichen wiederum über den Blutweg die Nieren und werden über die Harnblase mit dem Urin ausgeschieden.

Zielzellen der Androgene befinden sich an zahlreichen Stellen des Körpers, zum Beispiel in der Prostata und den Samenblasen (Sekretbildung, Sperma s. auch Funktion der Prostata), in der Haut (z.B. Bartwuchs) und der Muskulatur (Aufbau) sowie im Gehirn: Hier sorgen sie unter anderem für die Libido (den Geschlechtstrieb) und die Regulation ihres eigenen Blutspiegels (s.u.). Die stimulierende Wirkung des Testosterons kann auch die Häufigkeit des Geschlechtsverkehrs beeinflussen. Für eine weitere wichtige Aufgabe, die Förderung der Spermienbildung, nehmen die Androgene den direkten Weg: Von den Leydig-Zwischenzellen zu den Stammzellen, deren Abkömmlingen und anderen Zellen in den Samenkanälchen der Hoden.

Nicht im Gehirn, jedoch in vielen anderen Zielzellen wird Testosteron zunächst umgewandelt in das am stärksten wirksame Androgen DHT (Dihydrotestosteron). Dies geschieht mit Hilfe des Enzyms 5-alpha-Reduktase. Es kann mit Wirkstoffen gehemmt werden, die man deshalb 5-alpha-Reduktase-Hemmer nennt. Behandeln lassen sich damit bestimmte Formen des Haarausfalls und das benigne Prostatasyndrom (s. Medikamente zur BPS-Behandlung). Ob die Stoffe auch vorbeugend gegen Prostataerkrankungen wirken, wird derzeit untersucht (s. Vorbeugung gegen BPS).

Eine wesentlich breitere Wirkung haben dagegen Antiandrogene. Sie hemmen sämtliche Androgene an allen Zielzellen, auch am Gehirn. Man setzt sie deshalb bei Erkrankungen ein, die von Androgenen verursacht oder verschlimmert werden können, insbesondere beim Prostatakrebs (s. Hormontherapie bei Prostatakrebs).

Was sind Östrogene?

Östrogene sind eine Gruppe weiblicher Geschlechtshormone. Sie werden mit Hilfe des Enzyms Aromatase aus Androgenen gebildet, beim Mann nur in geringer Menge, ebenfalls in den Hoden und den Nebennieren, aber auch im Fettgewebe. Die Leber baut sie langsamer ab als Androgene, und die Abbauprodukte gelangen über die Galle in den Stuhl sowie über die Nieren in den Urin. Östrogene sind für Männer unverzichtbar, zum Beispiel für die Reifung der Spermien (Samenzellen).

Auch die Aromatase lässt sich mit Wirkstoffen hemmen, d.h. dass die Umwandlung von Androgenen in Östrogene unterdrückt wird. Der Nutzen solcher Aromatase-Hemmer beim benignen Prostatasyndrom und beim Prostatakrebs ist noch Gegenstand von Studien (s. Medikamente zur BPS-Behandlung und Vorbeugung gegen BPS). Hingegen hemmen Östrogene bekanntermaßen das Wachstum der Prostata und können in hoher Dosierung zur Hormontherapie des Prostatakarzinoms verwendet werden, vor allem in Kombination mit Tumorhemmstoffen (s. Hormontherapie bei Prostatakrebs). Die Östrogentherapie wird heutzutage in der Regel nicht mehr angewandt, da durch Östrogene Nebenwirkungen verursacht werden können, wie z. B. eine Erhöhung des kardiovaskulären Risikos oder auch eine Brustvergrößerung beim Mann (Gynäkomastie).

Steuerung

Die Funktion der Hoden bei der Bildung der Androgene wird vom Hypothalamus (Teil des Zwischenhirns) über die Hypophyse (Hirnanhangdrüse) unter dem Einfluss übergeordneter Hirnzentren gesteuert. Einfluss auf den Regelkreislauf hat auch die aktuelle Situation (z.B. Uhrzeit, Jahreszeit, Alter, Wohlbefinden). Neben den Androgenen sind folgende Hormone beteiligt:

  • FSH: Follikel-stimulierendes Hormon
  • LH: Luteinisierendes Hormon
  • LH-RH: LH-Releasing-Hormon
  • Inhibin

Regelkreise

Der Hypothalamus bildet LH-RH, das die Hypophyse zur Produktion und Freisetzung (engl. release) von FSH und LH anregt. FSH fördert in den Hoden die Bildung der Spermien und von Inhibin. Dessen Blutspiegel signalisiert wiederum der Hypophyse den FSH-Erfolg, die dann den FSH-Nachschub, indirekt also den Inhibinspiegel, reguliert. LH reguliert die Bildung der Androgene in den Hoden. Der Blutspiegel der Androgene reguliert im Hypothalamus und in der Hypophyse die Produktion von LH-RH und LH und dadurch indirekt den der Androgene.

Wichtig für die Wirkung von LH-RH ist, dass es nur alle 1,5-4 Stunden freigesetzt wird (pulsatil, wie ein Puls). Bei kontinuierlicher Ausschüttung werden die Hypophysenzellen unempfindlich, die Produktion von FSH und LH versiegt.

Bei der Behandlung des Prostatakarzinoms mit LH-RH-Analoga macht man sich diesen Effekt zunutze: Dabei wird ein Wirkstoff in Depotform unter die Haut gespritzt, der wie (analog) LH-RH wirkt, aber länger. Seine kontinuierliche Freisetzung verstärkt zunächst die LH-Ausschüttung, so dass der Androgen-Spiegel steigt (Flare-up-Phänomen). Später dann werden die Hypophysenzellen unempfindlich und stellen die LH- und FSH-Bildung ein. Damit wird auch die Androgen-Bildung in den Hoden eingestellt, das Krebswachstum wird wegen des Androgen-Entzugs nicht mehr gefördert.

Diese Behandlung bezeichnet man auch als medikamentöse Kastration, weil ihr Effekt gleich ist wie der einer Entfernung der Hoden (operative Kastration). Jedoch hat sie den Vorteil, dass ihre Wirkung durch Absetzen des Medikaments rückgängig gemacht werden kann. Wegen des Flare-up- Phänomens werden LH-RH-Analoga zu Beginn der Therapie oft mit Antiandrogenen (s.o.) kombiniert (s. auch Hormontherapie bei Prostatakrebs).

Mögliche Beschwerden der Prostata

Ähnlich wie Krankheiten anderer innerer Organe verursachen Prostataerkrankungen eher unbestimmte und indirekte Symptome. Am häufigsten treten solche im Zusammenhang mit dem Wasserlassen (Miktion) und der Sexualfunktion auf. Durch die unmittelbare Nähe der Prostata zu Harnblase und Harnröhre sind viele Prostataerkrankungen mit Miktionsstörungen vergesellschaftet. Vor allem bei:

treten Miktionsstörungen auf und können folgende Symptome verursachen:

  • Brennen beim Wasserlassen
  • Dysurie (gestörte und schmerzhafte Blasenentleerung)
  • Pollakisurie (häufiger Harndrang)
  • Hämaturie (Blut im Urin)

Bei der erektilen Dysfunktion (Störung der Erektion) stehen oft andere Ursachen im Vordergrund. Sie kann aber auch im Zusammenhang mit einer Prostataerkrankung auftreten und wird deshalb in diesem Kapitel näher beschrieben.

Gleiches gilt für die Hämospermie (Blut im Sperma), die häufig nach operativen Eingriffen, z.B. Biopsien (s. Prostatabiopsie), beobachtet wird. Sie kann aber auch durch Veränderungen von Prostata und Samenblasen bedingt sein und bei Prostatakrebs auftreten.

Zuletzt aktualisiert: 13.09.2019